Verdacht auf eine schwere Krankheit - wie spricht man darüber?
Shownotes
Wie gehen wir Ärzte damit um, wenn wir bei Patienten den Verdacht auf eine potentiell bösartige oder lebensverkürzende Erkrankung stellen? In dieser Folge sprechen wir über die Herausforderungen und Strategien bei der Kommunikation schlechter Nachrichten in der Medizin, insbesondere im Umgang mit Unsicherheiten und emotionalen Belastungen.
**Sehr betonter Text**Bei Fragen, Themenwünschen oder Kritik schreibt uns an dasmachtdannderhausarzt@gmail.com, oder folgt uns auf Instagram. Wichtig: Dieser Podcast ist keine medizinische Beratung
Transkript anzeigen
00:00:01: Herzlich willkommen zu, das macht dann der Hausarzt.
00:00:04: Ich bin Anna
00:00:05: und ich bin Gil
00:00:07: Und wir sind zwei junge niedergelassene Haushälzten im bergischen Land.
00:00:11: Auch wenn wir hier über Medizin sprechen dieser Podcast ersetzt kein Arztbesuch oder eine medizinische Beratung.
00:00:17: Also wenn ihr unsicher seid oder beschwerten habt sucht bitte ärztlichen
00:00:19: Rat!
00:00:22: Gil wie geht's dir?
00:00:23: Ich habe gehört der Präherbstinfekt hat schon zugeschlagen.
00:00:28: Ja Mir geht's wieder besser.
00:00:30: Es hat letzte Woche was echt übel und ab und zu huste ich noch, aber die Heilschmerzen sind größtenteils weg und ich hab wieder Luft und es ist wieder auf jeden Fall bergauf!
00:00:42: Und haben dir viele Patienten gesagt dass du dich doch krank schreiben lassen sollst?
00:00:47: Ja so Paar und eine war ganz süß weil.
00:00:49: einer hatte dann gesagt, also ich fragte und wie gehts das ihnen?
00:00:52: Ich meinte ich glaub mir geht's heute besser als ihnen.
00:00:57: Dann konnte ich jetzt nicht wieder sprechen, was die physische, also was die körperliche Krankheit ankommt.
00:01:05: Aber das passiert dann?
00:01:09: Ja.
00:01:10: Jetzt bist du aber schon wieder fit und hast vielleicht ja sogar es dann schon geschafft für diese Herbst- und Wintersaison.
00:01:18: Und ich hatte eine Ehre noch, okay, ich muss wirklich die Grippe in Pugnis mal mitnehmen... Ja
00:01:22: auf jeden Fall!
00:01:23: Ich habe mich auch letztes Jahr gegen Grippe geimpft und ich hatte keinen einzigen Infekt
00:01:28: Mega.
00:01:30: Und dieses
00:01:31: Jahr wollte ich das auch machen, aber ich habe jetzt erfahren dass die Grippe-Impfung für die untersechzigjährigen voll den Lieferverzug hat?
00:01:38: Ja wir haben da noch keinen!
00:01:39: Wir haben bisher nur über sechzigjährige Impfstoffe.
00:01:42: Ja, wir haben von unserer Apotheke, die uns immer beliefert haben wir mitbekommen, dass der wahrscheinlich erst Ende Oktober kommt.
00:01:49: Oh okay dann muss man irgendwie mal ein Hinweis auf die Website machen oder sowas.
00:01:54: Gut to know!
00:01:55: Covid Impfstoff ist auch nicht da
00:01:58: Das Thema für sich.
00:02:01: Aber der Grippe im Staffel, die über Sechzigjährigen ist schon erhältlich.
00:02:06: Genau also ab dem ersten Zehnten bei uns in der Praxis?
00:02:11: Ab dem ersten zehnten.
00:02:13: Im Kino!
00:02:17: Und für die Covid-Impfung gibt es ja dieses Jahr tatsächlich eine Neuerung und zwar ist die ja nur noch standardmäßig wirklich empfohlen Und darunter mit schweren Grunderkrankungen?
00:02:31: Das muss noch schon schwere sein, ne.
00:02:34: Ja, Herzkreis auf Erkrankungen, Diabetes, Meliturs, Atemwegserkrankung und so was.
00:02:41: Immunsuppression, ich sag mal die üblichen Verdächtigen.
00:02:45: also es kann sich jetzt tatsächlich nicht mehr jeder der Wille gegen Covid impfen lassen Es sei denn, man hat einen guten Grund wie zum Beispiel eine Erkrankung.
00:02:53: Wenn man unter seventy-fünf ist oder man bewegt sich in einem Sektor, indem man viel mit schwer kranken oder pflegebedürftigen in Kontakt kommt.
00:03:04: Da am besten dann einfach mal in seiner Hausarztpraxis fragen, wer man eine Impfung möchte.
00:03:11: So sollen wir da mal zu unserem Thema übergehen?
00:03:14: Ja, schlechte News!
00:03:17: Schlechte News würde der Niederländer sein.
00:03:22: Wir hatten eine Mail bekommen von einem Zuhörer, einer Zuhöhrerin.
00:03:27: Und die hatte uns explizit gefragt über die Kommunikation über schlechte Nachrichten und hat da selbst auch eine Erfahrung geteilt.
00:03:36: Möchtest du das mal erzählen?
00:03:38: Ja sehr gerne!
00:03:40: Vielen Dank übrigens noch einmal für die schöne E-Mail.
00:03:42: Da haben wir uns beide sehr gefreut und finden es ist ein super Themenvorschlag weil es echt ja Schwieriges Thema ist.
00:03:52: Die Hörerin schrieb, sie würde sich wünschen dass man mal darüber spricht wie man umgeht mit der Kommunikationsverabklärung potenziell bösartiger oder lebensverkürzender Diagnosen und sagt ich habe selbst erlebt das der Elefant im Raum oft nicht oder nur sehr indirekt angesprochen wurde.
00:04:09: Das hat mich verunsichert denn als Patient überträgt sich ja trotzdem worum es geht und man bleibt dann damit alleine.
00:04:16: In einer solchen Situation hätte ich gerne den Satz gehört.
00:04:20: Sicherheitshalber sollten wir eine weitere Abklärung einleiten, um auszuschließen dass keine ernsthaften Erkrankungen hinter dem Befund stecken.
00:04:30: Das ist sicherlich etwas wovon auch andere Menschen so berichten würden?
00:04:38: Wie siehst du das?
00:04:40: Ich glaube es ist ein Thema was sehr viel Fingerspitzengefühl braucht und auch sehr individuell ist.
00:04:47: Das hängt nicht ab vom Arzt, es hängt ab von Patienten.
00:04:51: Und ich glaube, es gibt keinen richtigen Weg.
00:04:57: Hast du es häufig in der Sprechstunde oder erlebst du es häufiger?
00:05:01: Dass Patienten mit einem bösartigen oder lebensverkürzenden Befund kommen und sagen, ich fühle mich schlecht informiert?
00:05:15: Was man mehr hat ist oder was ich finde, was häufiger vorkommt.
00:05:18: Dass die irgendwie bei dem Radiologen waren und dann eventuell die Briefe schon mitbekommen haben und dann kommen sie zur Befundbesprechung.
00:05:26: Und dann hat man da den Befund und muss dann kurzfristig erklären, was zu sehen ist und was gemacht wird oder was gemacht werden muss.
00:05:39: Dann steht man schon ein bisschen Rücken an der Wand, weil man eigentlich gar nicht so sich gut vorbereiten kann auf dieses Gespräch.
00:05:46: Und ich finde solche Gespräche die bereite ich immer gerne vor auch dass man nicht unterbrochen wird das man antworten hat.
00:05:53: und wenn man das nur so irgendwie den Settel auf dem Tisch geknallt aber hingelegt bekommen und sagt okay das steht jetzt in einem Radiologiebericht wie geht es jetzt weiter?
00:06:03: dann ist das immer ein schwieriges Gespräch.
00:06:10: würde es auch mal so sagen, dass die Initierung von weiterer Diagnostik oder das Verdachtsmoment einer lebensverkürzenden Diagnose das stellen ja oft wir Grundversorgenden Fachärzte wie Hausärzte vielleicht auch die Gynäkologinnen und Gynädologen.
00:06:35: Oder urologinen Urologen, häufig als erstes mit bestimmten Beschwerden sehen und leiten dann ja weitere Diagnostik in die Wege.
00:06:44: Das heißt, wir sind diejenigen, die quasi da auch verantwortlich sind den Patienten mitzunehmen auf den Weg oder ihr zu erklären was wir da gerade machen, was unser Verdacht ist.
00:06:58: Ich erlebe es eigentlich eher selten dass Patienten sich durch die Hausarztpraxis schlecht informiert fühlen.
00:07:05: Was finde ich häufiger vorkommt ist, dass die zum Beispiel aus dem Krankenhaus entlassen werden mit einer Tumordiagnose und dann kommen und sagen ich weiß nicht so richtig was ich jetzt machen soll.
00:07:22: Ich weiß ich habe irgendwie etwas Bösartiges aber es wurde mir nicht viel mehr mit auf den Weg gegeben wie ich mich jetzt verhalten soll.
00:07:30: oder noch schlimmer das da in einem Entlassbrief drin steht, dass da was gefunden worden ist.
00:07:38: Das ist mir auch schon ein paar Mal passiert.
00:07:42: Ja,
00:07:42: das ist mir schon ein Paar Mal passiert und dann gehe ich davon aus weil die ja mit dem Entlassbrief kommen dass sie schon aufgeklärt waren und dann ist man auch in Sie's Fettnäpfchen getreten und sagt ja ich hatte gesehen wir müssen lassen das noch abklären oder gucken die eine an und denken worüber reden sie?
00:08:00: Und da muss man plötzlich das Gespräch von hinten aufziehen und das ist somit das schlimmste was passieren kann.
00:08:07: Ja, das stimmt.
00:08:08: Ich
00:08:09: frag dann gerne schon mal, wenn Patienten kommen mit einem Befund, den sie besprechen wollen, sei es nun ein Entlassbericht oder einen Befund von einem anderen Fachkollegen?
00:08:19: wurden Sie schon informiert?
00:08:20: Oder was haben Sie denn besprochen, dass ich quasi erst einmal die Patienten erzählen lasse, was sie wissen und dann gucke korreliert das mit dem Arztbericht, wenn der im Idealfall vorhanden ist Und dann kann man da sich treffen in der Mitte.
00:08:35: Wie gehst du damit um, wenn du merkst die haben eigentlich noch gar nichts gehört?
00:08:42: Dann hast ja nicht wirklich Zeit dich vorzubreiten nochmal zu gucken was sind mögliche Therapien wie geht das man als nächstes vor?
00:08:48: oder muss man jetzt ziemlich aus einem Stehgreif agieren?
00:08:51: und meistens klappt das auch aber wir sind beide keine Onkologen.
00:08:54: in dem entsprechend finde ich es manchmal schwierig so Detailfragen zu beantworten.
00:08:59: Ja, das finde ich auch absolut schwierig.
00:09:02: Da finde ich dann wichtig zu sagen, okay, ich sehe das heute zum ersten Mal und ich kümmere mich darum, dass wir das gemeinsam vernünftig abklären.
00:09:11: aber ich brauche vielleicht erst mal Zeit um mich zu informieren und wenn ich es jetzt wirklich nicht so ganz sicher weiß wie's weitergeht würde mich dann informieren.
00:09:22: Patienten oder Patientinnen kurzfristig informieren.
00:09:26: Aber das ist zum Glück ... Der Worst Case, der nicht allzu oft eintritt.
00:09:30: Das stimmt, das stimmt!
00:09:32: Wir machen noch mal eine kurze Rolle rückwärts und zwar würde ich nochmal einmal in die E-Mail der Patientin zurückgehen.
00:09:39: Die geschrieben hat, dass es bei ihr wohl so gewesen ist, dass sie einen Verdacht auf eine Erkrankung hatte und sich die behandelnden Ärzte nicht sicher gewesen sind.
00:09:51: Und sie schreibt In dieser Situation müssen Arzt oder Ärztinnen sehr viel Sicherheit haben im Umgang mit der Unsicherheit und Raum für Fragen lassen.
00:10:03: Und sich im Idealfall als Facharzt oder Klinik mal mit der Hausarztpraxis abstimmen.
00:10:08: Die Ärzte müssen verkaufen in Anführungszeichen, dass es sich lohnt diesen Weg trotz der Unsicherung genauso zu versuchen.
00:10:14: Für den Patienten ist eine solche Kommunikation häufig schwer nachvollziehbar.
00:10:19: Sie hat sich dann letztendlich gewünscht mehr Empathie.
00:10:27: Es waren alle Behandler sehr freundlich und sind auf sie zugegangen.
00:10:31: Aber Sie hatte als Patientin das Gefühl, dass die Behandelenden selbst nur spekulieren wie sie diese Situation einschätzen sollen?
00:10:39: Ja also ich finde es sind auf jeden Fall Aspekte drin, die ich nachvollziehen kann.
00:10:43: Also ich wünschte mir auch häufiger diese Übergabe von Facharzt oder Klinik zum Hausarzt dass man da einfach kurz drüber spricht, vor allem wenn es wirklich eine gravierende Erkrankung ist.
00:10:56: Dass man auch als Hausarzt schon vorbereitet ist bevor der Patient bei uns auf der Mathe steht.
00:11:01: und die Empathie für Patienten, die sind natürlich auf jeden Fall mega wichtig.
00:11:07: aber es ist total schwierig zu sagen das sind die Folgen weil man ja oft wirklich nur spekulieren kann Kugel, wo man reingucken kann und man weiß genau wie es weiterläuft.
00:11:20: Es ist ja sehr situationsabhängig und sehr patientenabhängige wie eine Therapie anschlägt Und Wie wie lang noch jemand hat.
00:11:29: also ich hab Beispiele.
00:11:30: da wurde jemand gesagt Das sind doch drei Monate und die haben dann noch drei Jahre gelebt als das isst.
00:11:36: Ich würde dann nie eine Aussage treffen wie lange noch jemand zu leben hat
00:11:42: Sobald das kann man nicht
00:11:45: Und dann spekuliert man natürlich auch viel.
00:11:47: Das ist nicht weil man nicht empathisch sein möchte, sondern weil man einfach nicht viele Antworten in den Moment vielleicht hat.
00:11:54: Ich glaube auch in der Situation dieser ganz konkreten Situation war es tatsächlich so dass ja auch nur ein Verdacht bestand und man sich noch gar nicht sicher war was denn nun diese Erkrankung eigentlich isst glaube ich, eigentlich die maximal schwierigste Situation ist.
00:12:10: Die eintreten kann weil es für den Patienten sehr schwierig ist diese Unsicherheit auszuhalten.
00:12:16: Man weiß nicht hat man jetzt wirklich was was gefährlich ist oder hat man's nicht und Für die Ärzte ist das genauso.
00:12:21: man weiß Es könnte etwas sein es könnte aber auch nichts sein Und man weiß auch dass das manchmal eine weile dauert um das Definitiv abzuklären und da muss man sich mit dem patienten erst mal in dieser unsicherheit eine Weile bewegen bevor man alle Befunde zusammengetragen hat, um den Befund entweder zu bestätigen oder auszuschließen.
00:12:43: Giel magst du mal erzählen wie du denn eigentlich mit so einer Situation umgehen würdest?
00:12:50: Also wir sagen mal du stellst bei einem Patienten einen Labor befundfest der vielleicht darauf hinweisen kann dass da eine bösartige Erkrankung hintersteckt.
00:13:01: Was machst
00:13:01: du?
00:13:02: Jetzt trinkst du mich hier in den Pridol.
00:13:05: Du kannst ja auch ein anderes Beispiel ausdenken, man kann das auch machen mit weiß ich nicht was.
00:13:09: Wir haben einen unklaren Ultraschall befunden oder...
00:13:13: Sehr gut damit kann sich er arbeiten!
00:13:15: Auswertig mit einer radiologischen Untersuchung und es wurde da etwas festgestellt, was man weiter abklären muss.
00:13:22: Also wenn man das so was findet finde ich also bei mir ist es so wenn ich was finde dann spreche das an dass ich irgendwas gefunden habe was ich nicht richtig einordnen kann und dass wir jetzt einmal weiter abklären müssen, was es sein könnte mit weiteren radiologischen Untersuchungen oder Blutabnahme.
00:13:37: Oder nach Weiterzumfacharzt bringen wenn ich denke das ein Gebietsarzt oder Facharzt integriert werden sollte.
00:13:46: in die Unterzung würde ich versuchen kurzfristig einen Termin zu machen also sich den Haus als Vermittlungsfall mache Dass das möglich schnell abgeklärt wird.
00:13:54: noch geht das genau Aber ich hoffe, dass es auch nächstes Jahr ohne den Haushaltsvermittlungsfall gibt.
00:14:00: Weil ich denke das bestimmte Sachen dann doch kurzfristig abgeklärt werden müssen und dass man dann sagt, dass das halt in alle Richtungen sein kann.
00:14:10: Also wenn ich jetzt zum Beispiel irgendwie eine Schwellung im Bauchraum finde oder so was, dass man sagen kann, dass kann jetzt von je nachdem wie es aussieht mit Züste oder ein Abscess bis hin zu Tumor alles rein.
00:14:20: Und dass man es erstmal weiter abklären kann, bevor man jetzt den Teufel an die Wand malt.
00:14:26: Also ich bin eher so jemand, dass man offen damit umgeht und auch offen anspricht.
00:14:32: Aber ich habe auch gemerkt, dass da bestimmte Patienten nicht so gut mit umgehen können.
00:14:40: Und das kommt wirklich auf den Patient an.
00:14:42: Manche wollen das wie zum Beispiel die Zuhörerin.
00:14:46: Ich kenne ein oder zwei andere Patienten, die es auch per sie hören wollen aber es gibt andere, die wollen das nicht hören.
00:14:52: Das ist dann vielleicht gerade noch die Schwierigeren weil du musst ja weiter abklären Je nachdem, was das Alter ist kann man natürlich auch besprechen.
00:14:59: Wir können es jetzt weiter abklären.
00:15:02: aber wenn das keine Ahnung, eine dreieinundsigjährige Dame oder ein Herr ist der nicht mehr ganz so gut ist und sagt ne ich möchte das nicht wissen dann kann man das natürlich auch absprechen.
00:15:13: Erstmal sagt okay dann gucken wir jetzt nicht weiter was es ist und akzeptieren das.
00:15:17: Das geht natürlich auch aber das ist sehr patientenindividuell und auf Familien individuell gerade im älteren Bereich dass man da die Family mit integriert.
00:15:29: Wie gehst du damit um?
00:15:33: Also ich würde, sagen wir mal so.
00:15:35: Ich bin eine Freundin davon, Dinge offen anzusprechen.
00:15:39: Wenn ich etwas finde wo ich nicht sicher sagen kann ist das jetzt was Bösartiges oder was Lebensverkürzendes oder eine anderweitige gravierende Erkrankung oder nicht dann find' ich verdient es meinen Patientinnen und meinen Patienten dass sich sie mitnehme auf diesen Weg.
00:15:57: Ich finde es aber auch wichtig, gut informiert Menschen mitzunehmen auf den Weg.
00:16:03: Denn wie wir gut wissen ist das ja auch oft so dass sich ein erster Verdacht nicht bestätigt und daher würde ich schon bevor ich Menschen mitnehme erstmal einmal sozusagen mal die Basics zusammen tragen.
00:16:21: Radiologische befunde Laborbefunde Erstmal das, was mir wirklich wichtig ist um zu sagen okay dieser Verdacht der steht auf nicht nur einem wackeligen Fuß sondern vielleicht auf mehreren Füßen und dann nehme ich die Patienten mit und sag denen es könnte etwas bösartiges sein.
00:16:40: Es könnte was komplett harmloses sein.
00:16:43: wir müssen im Idealfall dies das und jenes machen an Diagnostik um das weiter herauszufinden.
00:16:51: Was ich auch wichtig finde, ist denen zu erklären welche Diagnostik vielleicht keinen Sinn macht.
00:16:59: Und ja was man natürlich immer mit aufgreifen muss und was finde ich das schwierigste ist Angst und Sorgen mitnehmen vor lebensverkürzenden Diagnosen.
00:17:12: Ich find es auch wichtig offen anzusprechen möchten Sie das googeln möchten sie die KI dazu fragen oder nicht.
00:17:21: Viele Patienten sagen von sich aus, nee sie machen das nicht.
00:17:25: Und die haben das auch noch nie gemacht?
00:17:27: Was ist da deine Erfahrung?
00:17:29: Also viele Leute sagen tatsächlich ne das will ich erstmal nicht.
00:17:33: manche kommen dann zum nächsten Gespräch und sagen ja ich habe es doch gemacht.
00:17:41: Ich würde jeden mal abraten davon weil man gerade bei einer unsicheren Diagnose sich erst mal darauf verlassen muss, dass diese Diagnose entweder bestätigt wird oder ausgeschlossen wird.
00:17:53: Bevor man gerade als jemand der vielleicht kein medizinisches Fachwissen hat googelt oder eine KI befragt denn man kann die Informationen unter Umständen nicht richtig einordnen oder man fragt die KI vielleicht auch das falsche
00:18:10: und man hat vielleicht noch nicht genug Information um die Sachen komplett richtig einzuordnen
00:18:17: eben im Hänse Angst machen.
00:18:19: Und da würde ich einfach jedem in so einer Situation von abraten, das steht und fällt natürlich echt damit wie der ärztliche Kollege die ärztlichen Kolleginnen damit mit dem Patienten zusammen arbeitet.
00:18:31: also Ich versuche immer den Leuten einen konkreten strukturierten Weg dazu legen zu sagen okay wir haben den und den Verdacht es könnte dass oder das sein.
00:18:40: Wir müssen diese und diese und dieser Diagnostik machen weiter zu besprechen.
00:18:49: Wenn die Sachen vorliegen, manchmal weist man ja Patienten auch zum Beispiel ins Krankenhaus ein dann
00:18:54: wirklich schnell hinzubekommen.
00:18:56: Genau sind die erstmal in anderen Händen und werden da hoffentlich gut beraten.
00:19:01: aber wenn mal eine rein ambulante Abklärung anstrebt Da finde ich ist es echt immer wichtig einen strukturierten Weg aufzuzeigen damit die Patient nicht in Panik geraten gerade weil sie auch in der ambulanten Versorgung aktuell länger dauert, diese ganzen Wege zu gehen.
00:19:22: Und wenn man dann die Information hat, dann bereite ich so ein Gespräch gerne vor zum Beispiel ein Labor was abweichend ist mit einer passenden Diagnostik beim Radiologen oder beim Gebietsarzt.
00:19:34: Dann nehme ich mir die Zeit gerne und ja bereit ist vor dass ich mich einmal nochmal eindeße in die einzelnen Krankheit Krankheitssymptome in die möglichen Therapien, dass man dann auch mögliche Antworten auf Fragen hat vom Patienten.
00:19:49: Genau das ist auch immer wichtig wenn man signalisiert Wenn Fragen sind dann melden sie sich.
00:19:57: Das ist natürlich auch immer so ein bisschen steht und fällt damit, wie viele Fragen dann auf einmal bei Patienten auftauchen.
00:20:03: Dass man auf jeden Fall anbietet, dass man für weitere Gespräche zur Verfügung steht.
00:20:07: Man kann es jetzt nicht über die Maßen machen wenn noch jemand wahnsinnig viele Fragen hat.
00:20:11: Dann ist das oft sinnvoll die Menschen nochmal in die Sprechstunde zu bitten weil man nicht immer alles telefonisch oder per E-Mail klären kann.
00:20:21: Und dann auch offen damit umgehen, wenn man mal keine Antworten hat?
00:20:23: Dass man sagt okay da habe ich jetzt noch keine Antwort zu und dass man sagt aber ich informiere mich oder schreiben sie die Fragen auf, dann kann man durchgehen welchen man antworten kann.
00:20:34: Und ansonsten holt man sich Hilfe bei Kollegen gebiet ärztlich oder bei Kollegen in der Praxis.
00:20:40: wenn diese besser wissen ja das sollte man sich auch nicht so stolz für sein das dann zu machen
00:20:47: sind wir als Hausärzte immer sehr dankbar, wenn wir da in unserem Umkreis natürlich auch Kollegen erreichen können.
00:20:55: Also hier nochmal der Aufruf an alle fachärztlichen, gebietsärztliche Kollegen eine, sag mal private oder eine Arztnummer hilft uns ja, wenn es noch einmal eine dringende Frage gibt.
00:21:08: Ich meine, wir sind ja auch... Wir wissen ja dass man diese Nummern dann auch nicht ausnutzt und zu viel nutzt sondern wirklich nur im ernsten Notfall benutzt.
00:21:18: Ja, wir haben hier noch ein paar Tipps zusammengetragen jetzt quasi um das Thema einmal aufzurollen die sich erst mal an Patienten richten und zwar erzähl du mal.
00:21:38: Ich werde gerade schon so schön
00:21:41: zurücklehnen
00:21:45: Wir Patienten sind auf jeden Fall nachfragen, wenn man Fragen hat.
00:21:50: Wenn man am Anfang keine Zeit hat oder weil das der Termin vielleicht schon länger war als man geplant hatte dann einen neuen Termin vereinbaren damit man den Befund mal in Ruhe besprechen kann und am besten zum neuen Terminen die Fragen aufschreiben.
00:22:07: Und auch wirklich fragen?
00:22:09: wirklich nicht versteht und dann vielleicht auch zweimal, dreimal nachfragen.
00:22:13: Weil man erlebt es immer wieder das ich als Ärztin denke okay ich habe das jetzt wirklich sehr klar und konkret erklärt und trotzdem erlebe ich es immer schon mal wieder dass bei den Patienten was komplett anderes angekommen ist.
00:22:28: Ja da hatte ich im Studium einen guten Trickelernt.
00:22:32: das fand ich am Anfang mega affig.
00:22:34: aber inzwischen mache ich das häufiger dass man fragt
00:22:38: Ja, das kann man tatsächlich machen.
00:22:40: Wenn man sich ganz sicher sein will, dass beide auf dem gleichen Blatt unterwegs sind?
00:22:45: Und ich glaube, das ist gerade bei so schlechten Nachrichten wichtig.
00:22:50: Dass man grad nicht als Arzt vorprischt und denkt, ah, das hat jetzt alles super deutlich gewesen, sondern dass man den Patienten mitnimmt.
00:22:56: Wie du sagst, falls der Patient merkt, nee, ich kann eben gar nicht folgen.
00:22:59: Das ist zu komplex für mich.
00:23:01: Was ich auch verstehen kann, weil es ja mega komplexe Themen dann auch wirklich fragen... Und dann auch manchmal Verständnis mitnehmen, dass wenn manche Befunde einfach Zeit brauchen und man nicht sofort alle Informationen hat.
00:23:14: Weil wenn wir die Informationen haben, dann geben wir sie auch an die Patienten.
00:23:18: aber in der Medizin brauchen wir einfach mal die Zeit um mehr Information zu sammeln.
00:23:24: Das ist total nervig, aber da braucht man gewiss Vertrauen vom Patienten zum Arzt, aber auch vom Arzt und Patienten das die Zeit kommen wird.
00:23:32: Dann
00:23:32: kommen jetzt die... Willst
00:23:36: du dann mit den Tipps für Kollegen?
00:23:38: Genau, die Tips für die Kolleginnen und Kollegen wären auf jeden Fall befunde soweit man sie hat.
00:23:46: gut lesen zusammentragen sich im allerbesten fall auf das gespräch vorbereiten wenn es immer möglich ist weil man einfach nicht alles aus dem stehgreif wissen kann.
00:23:57: Und was ich auch noch wichtig finde so aus der persönlichen erfahrung man sollte Menschen, die dann betroffen sind in diesem Gespräch.
00:24:08: Also die Patientinnen und Patienten nicht mit zu vielen Informationen überlasten.
00:24:14: Weil ich das immer wieder so erlebe dass die Leute ab einer gewissen Informationsdichte einfach auch abschalten weil es nicht mehr geht.
00:24:24: Weil sie sobald man die Bombe hat fallen lassen da vielleicht was Bösartiges ist passiert einfach was mit Menschen.
00:24:35: Und manchmal sind sie dann nicht in der Lage, alle weiteren folgenden Informationen zu verarbeiten?
00:24:43: Da gibt es sogar Studien dazu, dass nach dem Information, dass das schlechte Nachrichten sind oder dass man Krebs hat oder sowas wirklich nichts mehr aufgenommen wird und so gesehen ist eigentlich gar nicht schlecht sofort einen zweiten Termin einzuplanen uns auch zu sagen bringen Sie jemanden mit Zwei Paar Ohren hören einfach mehr als ein paar Ohren und schreiben sie Fragen auf.
00:25:06: Und dann gehen wir beim nächsten Mal alles durch.
00:25:09: Genau, sich natürlich auch immer wenn man sie braucht Hilfe zu holen.
00:25:13: Sei es nun bei der Hausarztpraxis die die Patienten im allerbesten Fall gut kennt und vielleicht auch das eine oder andere Detail ergänzen kann oder auch bei Kollegen aus anderen Fachrichtungen?
00:25:27: Ich glaube dass war auch sofort unsere Take Home Message.
00:25:32: Damit können wir dann also dieses Thema abschließen und wir hoffen, dass es unserer Hörerinnen gefallen hat.
00:25:38: Und das auch paar Fragen beantworten konnte?
00:25:40: Genau!
00:25:42: Liebe Gil, was hat dich die letzten zwei Wochen bewegt?
00:25:47: Wie man schon gehört hat, krank, wenn die Praxis geht.
00:25:50: Was hab ich
00:25:51: bewegt?!
00:25:52: Aber ist schon überstanden... aber du hattest etwas aufgeschrieben.
00:25:57: Ja, ich hatte...
00:26:00: ...was mich die letzte zwei Wochen bewegte, Häufiger mit Patientinnen und Patienten ins Gespräch gekommen bin über Selbstzahlerleistungen oder auch Igel-Leistungen.
00:26:11: Und tatsächlich eine Patientin, auch in der Sprechstunde in Tränen ausgebrochen ist weil sie mir dann aufgezählt hat was an Geld Sie jetzt alles schon für Selbstzahlerleistung ausgegeben hat und dass sie das Gefühl hat, dass ihre Krankenversicherung ja für gar nichts mehr aufkommt.
00:26:29: In dem konkreten Fall ging es jetzt um Behandlungsoptionen bei einer Knieatrose, die ja auch häufig Selbstzahlerleistungen sind.
00:26:39: Und sie war regelrecht verzweifelt weil sie meinte das kann doch nicht sein dass ich jetzt so viel Geld ausgeben muss und Ich habe ihr dann eben versucht auch nochmal zu erklären Dass das ja alles sagen Optionen sind ne?
00:26:51: Das das nichts ist was Die Versicherung als medizinisch so notwendig erachtet, dass sie es übernimmt und das ist natürlich für jemanden mit einem schmalen Portemonnaie schwierig.
00:27:03: Ist das alles zu bezahlen?
00:27:05: Aber dass man sich da eben auch immer gut beraten lassen soll und sich vielleicht auch im Zweifelsfall dann erstmal Informationen mitnehmend und das Zuhause nochmal durchdenkt oder vielleicht auch beim Hausarzt noch mal fragt.
00:27:19: Auch wenn es uns dann ja wieder Zeit kostet, das machen ja ganz viele Patienten, dass sie dann doch nochmal erst in die Haushaltspraxis gehen und fragen ob das wirklich Sinn hat.
00:27:28: Und dann wiederum aber den komplett anderen Fall hatte ich auch in der Sprechstunde, dass jemand da war und mir ganz Freude strahlend berichtet hat, dass jetzt in der nächsten Woche eine Wirbelsäulenheilung stattfindet... einen schlappenpreis von, sagt man einem dreistelligen Euro-Betrag eher im höheren Dreistellenbereich.
00:27:52: Und wie soll das gehen?
00:27:54: Ja, das wusste die Person jetzt auch noch nicht so ganz genau aber sie versprach sich sehr viel davon in einer Praxis eines Heilpraktikers oder eine Heilpaktikerin und ich dann auch nochmal nur zur Vorsicht geraten habe gesagt hab naja so ein Versprechen einer Heilung für viel Geld Das ist, es war schön wenn man meint dass das wirklich funktioniert aber die Erfahrung zeigt dass es sehr häufig einfach Geld ist.
00:28:24: Dass man umsonst ausgegeben hat.
00:28:28: und ja ich rat den Ried der Person dann einfach dazu etwas kritisch zu sein damit.
00:28:34: denn was mich daran so erstaunt hat ist viele Patienten sehr kritisch mit dem Angebot von Selbstzahlerleistungen in Arztpraxen umgehen, versus dem kritischen Blick gegenüber den sowieso immer Selbstzahlerleistung in paramedizinischen Bereichen.
00:28:56: Die werden häufig gar nicht so kritisch hinterfragt.
00:28:59: Ist eigentlich ganz interessant, ne?
00:29:02: Wir hatten ja mal eine Folge darüber gemacht wie die so eine Ausbildung aussieht und es ist eigentlich sehr interessant.
00:29:07: aber... Ich würde gerne wissen, wie da die Psyche mitarbeitet.
00:29:13: Was die für eine Rolle spielt?
00:29:15: Ja, ich fand es interessant, das jetzt noch mal zu erwähnen, dass man sich da vielleicht auch selber nochmal Gedanken drüber macht
00:29:23: als Patientin-Patient,
00:29:26: Arztärztin.
00:29:28: Kann ich noch vollsehen!
00:29:32: Dann kommen wir zur nächsten Kategorie.
00:29:34: Das sollte man beim Hausarzt lassen ist das glaube ich dieses Mal.
00:29:37: Das hast du auch mitgebracht
00:29:39: Das habe auch ich mitgebracht, ich bin top vorbereitet dieser Podcastbeuge.
00:29:44: Und zwar hab' ich eine Bitte an alle Patientinnen und Patienten!
00:29:50: Wir bekommen viele E-Mails jeden Tag und seit intensiverer KI-Nutzung werden die sehr langen E-mails sehr viel häufiger... Wo dann eben einfach Personen in die KI reinschreiben, bitte mache eine E-Mail an meiner Arztpraxis wo das und das drin steht.
00:30:09: Und da kommt dann ein sehr lange E-mail raus, die dann losgeschickt wird.
00:30:14: Das ist für uns sehr aufwendig.
00:30:16: Zum einen weil wir grundsätzlich eigentlich gar keine medizinische Beratung per E-Meil machen dürfen zum anderen diese Informationen ja dann erst mal gelesen werden müssen, sei es nun durch unsere MFA oder durch uns als ärztliches Team.
00:30:34: Und das kostet einfach sehr viel Zeit!
00:30:37: Also ich würde mir von Patientinnen und Patienten wünschen wenn ihr eine E-Mail schreibt was ihr sehr gerne dürft dann bitte einfach kurz und knackig.
00:30:47: und wenn man schon ne Seite braucht für den ganzen Inhalt dann sollte man sich vielleicht besser einen Sprechstundentermin machen weil da wird eine Arztpraxis in der Regel nicht in der Ausführlichkeit darauf antworten, die man sich vielleicht da erhofft.
00:31:02: Weil man es auch per E-Mail eigentlich gar nicht darf und wir dafür auch nicht vergütet werden.
00:31:10: Punkt!
00:31:11: Und dann vielleicht noch in dem Rahmen... Auch in der E-mail ist ein respektvoller Umgang gewünscht?
00:31:18: Ja das setze ich auch mal voraus.
00:31:22: Wobei das ja bei der KI häufig so ist.
00:31:25: Das stimmt als die KI häufig.
00:31:27: Die ist sehr höflich, passiv aggressiv.
00:31:30: Aber wenn man einmal meint ... Also es gibt ja Menschen, die nutzen KI nicht für solche E-Mails, dann ist ein respektvoller Umgang sehr wünschenswert.
00:31:40: Weil das kriegen wir auch mal wieder mit, dass das nicht der
00:31:43: Fall ist.
00:31:46: Ja!
00:31:48: Damit würde ich fast sagen Wir sind in dieser Podcastfolge
00:31:51: fertig.
00:31:52: Genau, also bei Feedback und anderen Themenvorschlägen.
00:31:55: schreibt uns unter das macht dann der Hausarzt at gmail.com oder schreibt es auf Instagram unter Das Macht Dann Der Hausarz Immer Mit Unterstrich Und damit sagen
00:32:05: wir Um den Rest kümmert sich dann der Hausarzt.
00:32:08: Bis zum nächsten Mal Tschüss!
Neuer Kommentar